Abschied von Bangladesch – mein Rückblick

Categories Bangladesch, Große Asienreise

Auch wenn Lonely Planet behauptet, dass man in zwei bis drei Wochen einen Gutteil Bangladeschs erkunden kann, bin ich der Meinung, dass diese Zeit eindeutig zu kurz ist. Nach bereits 16 Tagen Bangladesch zu verlassen fiel mir sehr schwer. Mit einigen Freunden, die ich unterwegs kennengelernt habe, hätte ich gerne mehr Zeit verbracht. Wegen meiner datierten Einreise nach Myanmar musste ich jedoch weiterziehen.

Trotz des teilweise katastrophalen Umweltzustands, insb. die Luftverschmutzung in den Städten machte das Atmen schwer, war der Aufenthalt eine Erfrischung. Eine Erfrischung menschlicher Art. Zwar wurde ich weitaus häufiger als in Indien gefragt, wo ich herkomme, wie ich heiße, was ich arbeite und nun auch, ob ich Muslim sei. Selfie‐Orgien waren ebenfalls an der Tagesordnung. Ich hatte jedoch das Gefühl, dass die Fragenden ein wirkliches Interesse mitbrachten und die Fragen von Herzen kamen. Ich erinnere mich noch genau, wie am zweiten Tag in Bangladesch ein älterer Herr – etwa Bibliothekar‐Typ – auf mich zukam und mich nach meiner Herkunft fragte. Er war total begeistert, schüttelte meine Hände und zog freudig vondannen – als ob das sein glücklichster Tag aller Zeiten wäre. Ebenfalls an diesem Tag passierte Folgendes: Ich hatte im Zug einen Sitzplatz eingenommen. Der Platz hätte jedoch einem anderen Fahrgast zugestanden, der etwas später zustieg. Ich wollte den Platz freimachen, doch er signalisierte mir deutlich, ich solle sitzenbleiben. Er nahm damit in Kauf, mehrere Stunden im Gang zu stehen.
Diese Freundlichkeit und das Interesse haben mich – auch wenn das Bangladeschis gar nicht gerne hören – an die Menschen an Pakistan erinnert. In den ersten Tagen war es für mich eine extreme Herausforderung, den Scheuklappenmodus, den ich mir in Indien antrainiert hatte, um nicht ständig angesprochen zu werden, abzustellen.
Faszinierend war das Schauspiel, das stattfand, wenn ich mit einem Bangladeschi (oder er mit mir) ein längeres Gespräch führte. Um uns uns herum bildete sich immer (!) eine Traube von 10 bis 25 Menschen, die interessiert unserem Gespräch folgten. Ausländer sind in Bangladesch weiterhin kaum anzutreffen. Für fast alle Bangladeschis werde ich der einzige Ausländer sein, den sie in den nächsten Jahren sehen. Auch ich habe in Bangladesch nur einen einzigen westlichen Ausländer wahrgenommen – abgesehen von den Couchsurfern, die ich auf organisierten Zusammenkünften kennengelernt habe.
Von Bangladesch habe ich noch nicht genug gesehen – fest steht, dass ich bei einer etwaigen Reise in diese Region wieder nach Bangladesch fahren würde.

 

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