Quetta ist die Hauptstadt der Provinz Balochistan und hat etwa 900.000 Einwohner. Die Stadt wird malerisch von hohen Bergen umrahmt. Obwohl wir zwei Tage bzw. drei Nächte in Quetta bleiben, bekommen wir von der Stadt und der Umgebung fast nichts mit.Aus Sicherheitsgründen dürfen wir ohne Polizeibegleitung das Hotel nicht verlassen. Eine gewisse Anspannung ist bei den Sicherheitskräften und den Behörden tatsächlich zu spüren. Durch die Nähe zu Afghanistan halten sich angeblich Mitglieder terroristischer Gruppierungen in Quetta auf. Zusätzlich sind in der Region Separatisten, die eine Abspaltung der Provinz Balochistan von Pakistan forcieren, aktiv.
Am ersten Aufenthaltstag werden wir mit der Polizei zum ‘Home & Tribal Affairs Office’ begleitet. Als Ausländer sind wir verpflichtet, uns bei den Behörden zu melden und genau anzugeben, wann und wie wir angekommen sind, in welchem Hotel wir übernachten und wann und wie wir weiterreisen. Mit diesen Angaben wird ein ‘No Objection Certificate’ (eine Art Unbedenklichkeitserklärung der Behörden) ausgestellt, das dann der Straßenpolizei oder dem Hotel auf Verlangen vorgezeigt werden kann.

Unser Hotel ist zwar „extra für uns“ teurer. Dafür haben wir einen schönen ruhigen, grünen und sonnigen Innenhof
Unser Hotel ist zwar „extra für uns“ teurer. Dafür haben wir einen ruhigen, grünen und sonnigen Innenhof

Unsere Hoffnung, dass wir dieses Dokument in nicht mehr als 30 Minuten erhalten, erfüllt sich leider nicht. Ganze 4 Stunden hocken wir bei der Behörde, werden von Zimmer zu Zimmer gescheucht, weil der Verantwortliche gerade unterwegs ist und nicht unterschreiben kann. Diese Tagesexkursion in Quetta wird mit dem Suchen eines Bankautomaten und dem Fahrkartenkauf für meine Weiterfahrt nach Rawalpindi am übernächsten Tag beendet.
Mehrere Male sinnieren Robert und ich über den Polizeischutz. Die Menschen machen doch einen freundlichen Eindruck und dazu heitert auch der blaue Himmel die Laune auf. Mehrere Stimmen bestätigen uns, dass die Situation besser geworden ist. Zum Tante‐Emma‐Laden nebenan dürfen wir trotzdem nicht. Das Gefühl ist uns ungewohnt: Einer Gefahr ausgesetzt zu sein, die man nicht sieht, die es aber trotzdem gibt. Naturkatastrophen oder die offensichtliche Unfallgefahr durch Rasen sind sichtbar. Entführer nicht.
Am Tag der Abreise muss es dann ohne Polizei gehen. Das Hotel verdödelt, die Polizei zu informieren, um mich zum Bahnhof zu bringen. So trifft die Polizei nicht rechtzeitig vor meiner Abfahrt ein und das Hotel schickt mich die 500 Meter alleine zum Bahnhof. Alles gut, ich nehme auf der Straße nur liebe Menschen wahr und erreiche sicher den Bahnhof.
Robert nimmt nun einen anderen Weg. Vermutlich wird er bis zu Provinzgrenze von Balochistan/Sindh von der Polizei eskortiert. Ab dann ist kein Polizeischutz erforderlich. Die anderen Provinzen, die wir bereisen, sind weitestgehend sicher. Wir gehen davon aus, dass wir uns in Indien wiedersehen oder in Bangladesh oder in Myanmar, da sich unsere Wege dort kreuzen werden. Ich bin gespannt, was wir uns dann zu erzählen haben.

Unser bescheidenes Frühstück im Hotel. Zum Glück hat mich Sahar reichlich mit allerlei Proviant in Tehran eingedeckt, der bis Quetta hält. Bananen gehören übringens auf der Reise zu meinen besten Freundinnen: lecker, gesund, sättigend, man weiß, was drin ist, von vor Ort und dann auch noch fast kostenlos
Unser bescheidenes Frühstück im Hotel. Zum Glück hat mich Sahar reichlich mit allerlei Proviant in Tehran eingedeckt, der bis Quetta hält. Bananen gehören übringens auf der Reise zu meinen besten Freundinnen: lecker, gesund, sättigend, man weiß, was drin ist, von vor Ort und dann auch noch fast kostenlos

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