Hello Mister! Welcome in Iran!

Categories Große Asienreise, Iran

Auf den Aufenthalt im Iran habe ich mich im Vorfeld meiner Asienreise besonders gefreut. Die Gastfreundlichkeit und das Interesse am Besuch aus Deutschland machen einen Aufenthalt dort immer wieder zu einem Erlebnis. Und genauso ist es auch dieses Mal.

Tehran: Blick auf Alborz-Gebirge und Milad-Tower
Tehran: Blick auf Alborz‐Gebirge und Milad‐Tower

Zusätzlich fällt mein Besuch in den Muharram, den ersten Monat des islamischen Kalenders. Dieser Monat hat im Islam eine besondere Bedeutung. Gemäß der schiitischen Glaubensrichtung (der ein Großteil der Iraner angehören) wurden der (dritte) Imam Hussein und seine Anhänger in der Schlacht von Kerbela am 10. Muharram im Jahr 680 vom übermächtigen Feind Jazid niedergemetzelt. Im Muharram wird daher alljährlich um den Imam Hussein, den Anhängern und den zurückgebliebenen Frauen und Kindern getrauert. Den Höhepunkt der Trauertage bildet Ashura am 10. Muharram: Mit Bußritualen und Trauerspielen werden die Leiden des Imam und Co. gewürdigt. Auch ich habe Gelegenheit, mehreren Prozessionen beizuwohnen – ohne jedoch selbst leiden zu müssen: Los gehts schon am Abend des 9. Muharram: Privat oder durch die Gemeinden organisiert werden in riesigen Töpfen warme Gerichte (Suppen und Reisgerichte) zubereitet und unter allen Anwesenden ausgegeben. Anschließend tanzen die Männer zu einem Trauergesang um Imam Hussein, der durch elektronische Hilfsmittel und Paukenschläge und verstärkt wird. Die Männer peinigen sich mit einem Wedel aus Stahlringen. Abwechselnd schultert jeweils ein Mann ein etwa 400 kg schweres und mit Metallfächern und Federn bespicktes Stahlgerüst. Aufgabe ist es, das Metallgerüst so zu schwenken, dass die Federn sich vor Imam Hussein verbeugen. Am 10. Muharram wiederholen sich diese Prozessionen, wobei die Männergruppen auch in andere Stadtteile fahren und sich gegenseitig „besuchen“.

Am Vorabend von Ashura - im Vordergrund tanzende Männer
Am Vorabend von Ashura – im Vordergrund tanzende Männer

Diese Prozessionen sind höchst beeindruckend: Selbst kleine Jungs tanzen mit und die Männer scheinen tatsächlich in Gedanken beim Imam zu sein. Auch Zuschauer brechen vereinzelt wegen ihrer Trauer in Tränen aus. Interessant ist auch das füreinander Kochen und Essenausteilen. Jeder Iraner läuft an diesen Tagen mit seinem Päckchen Essen nach Hause. Restaurants machen wohl diese Tage keinen Umsatz. Auch ich habe die Gelegenheit, mit Sahar und ihrer Familie heißen Kakao auf der Straße auszuteilen. Erst zögere ich. Ich frage mich, ob Muslime wohl Nahrungsmittel von einem Nichtmuslim annehmen? Doch dann habe ich den Eindruck, dass sich aus Neugier sogar bei mir mehr Leute anstellen. Und deutsche Touristen wundern sich, dass ich fließend Deutsch spreche…

Beim Kakaoausgießen in Tajrish
Beim Kakaoausgießen in Tajrish

Faszinieren tut mich auf meiner Iranreise wieder Einiges:

  • Das tägliche Verkehrschaos in Städten jeglicher Größe, das scheinbar Gottgegeben ist und keinen stört.
  • Das Überqueren von vielspurigen Straßen: Am ersten Tag in Tabriz war ich doch noch etwas schüchtern. Hier hilft das Ranklemmen an eine iranische Leitperson. Und nun klappts auch alleine. Nach den harten, uns bekannten Regeln wird hier kaum gefahren, sondern danach, wer zuerst da ist. Und das gilt auch für Fußgänger. So strömt der Verkehr halt um einen herum.

Doch auch ein kleiner Wandel ist zu erkennen: Bei meinem ersten Iranbesuch vor gut zwei Jahren habe ich begeistert festgestellt, dass sich kein Mensch in der Öffentlichkeit mit Köpfhörern und Smartphone oder Laptop verbarrikadiert und damit unnahbar macht. Zumindest in Tehran ziehen sich tatsächlich mehr und mehr Leute in der Öffentlichkeit in ihre eigene Welt zurück. Die Möglichkeit eines kurzen Austauschs oder Blickwechsels sinkt. Doch zum Glück spiegelt Tehran nicht den gesamten Iran wieder. Daher wird man hoffentlich noch lange hören: „Hello Mister! Welcome in Iran!“

Blick auf Tehran
Blick auf Tehran

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